Zur Klärung....

Was geht uns die Schöpfung an?


Religion und Kirche sind dazu da, beizutragen dass das Leben gelingt. Die Kirche und ihr kleiner Teil des „ Pfarrverbandes Laufen-Leobendorf“ sind also kein Selbstzweck.
Es stellt sich die Frage immer neu - genügt sie dieser Aufgabe im Wandel der Zeit? Sie muss sich zunächst selbst fragen, ob sie das ist, was sie im Namen führt. Religion meint vom lat. „re-ligio“ kommend nichts anderes als „Rückbindung“.
An was soll denn rückgebunden werden? An eine „höhere Ordnung“, damit das Leben gelingt! Wir brauchen dieser Ordnung nicht zwingend den Namen Gott geben. Eines weiß jeder, dass wir eine Ordnung brauchen um nicht im Chaos zu verkommen. Christen glauben, dass sie von einem schöpferischen Gott kommt, sie geben ihm sogar den Namen LOGOS, was soviel heißt wie der „Logische“.
Wir Menschen haben auch Logik, doch auch die Freiheit „unlogisch“ zu sein – vielleicht auch deshalb um den Schöpfungsprozess weiter zu führen? Doch bei aller Freiheit sind wir gut beraten, „die Rechnung mit dem Wirt zu machen“. Es ist also ein Akt der Klugheit nach den Regeln der Schöpfungsordnung zu fragen, denn sie kann auch hart sein. Wer sie bei aller Freiheit ignoriert oder übersieht, der fliegt aus der Evolutionskurve. Solche „Unfälle“ soll man dann nicht einem Gott in die Schuhe schieben. Religion, zumal die christliche, muss sich daran messen lassen, ob sie diese Überordnung auf angemessen freundliche Weise in den Alltag der Menschen zu übersetzen versteht, selbst als Kirche mit gutem Beispiel vorangeht und Regelverstöße anspricht.
Um die Schöpfung, um die Natur, die uns trägt und hält, um unser „gemeinsames Haus“ Erde ist es nicht gut bestellt. Der Schöpfer ist für diesen „Hausfriedensbruch“ nicht verantwortlich. Der weise Mahatma Gandhi hat recht, wenn er sagt: „Die Erde hat genug für jedermanns Bedarf, doch nicht für jedermanns Gier“. Das Kriegenwollen von immer „mehr“ und das „sofort“ führt zu Kriegen.
Die Gier und Habsucht frisst die Erde und uns zunehmend auf. „Wir nehmen uns zu viel Kraut heraus“. Dies trifft vor allem auf uns zu, die wir auf der materiellen Sonnenseite des Globus leben und in abgeschwächter Form auch jene auf der Schattenseite. Die Wüstenbildung in Sand und Beton nimmt weltweit zu, Trinkwasser wird knapp, Meere sind überfischt, die Luftbelastung mit Klimagasen steigt, Urwälder verschwinden, der Meeresspiegel hebt sich, Stürme werden mehr, die Artenvielfalt weniger.
Und die Menschheit wächst und wächst. Was Wunder, wenn globale Konflikte und Wanderungs-Bewegungen die gegenwärtige „Ordnung“ infrage stellen.
Und die Rolle der Kirche in Gestalt unseres Pfarrverbandes, nimmt sie dies wahr und handelt sie zukunftsfähig? Gemäß seiner Religion sollte der Christenmensch ja Krone und nicht Dornenkrone der Schöpfung sein.
Seit Franziskus I. mit seinem Rundschreiben „Laudato si…“ eine „Steilvorlage“ für ein neues Weltverständnis gegeben hat, vor allem für sein Christenvolk, kann sich dieses nicht einfach mehr wegducken. Den Ball aufgreifen heiß „ein neues Spiel“ beginnen nach ökosozialen, regional- fairen Regeln, die beim Einkaufen anfangen und bei verstärkter Selbstversorgung enden.
Neue Formen der Kreativität sind als Gottesdienst an der Schöpfung zu begreifen.

Dr. Josef Heringer

"Das große Verdrängen" Warum wir auf die Klimakatastrophe zusteuern.
Ein Aufruf aus dem Vatikan zum Schutz der Ozeane
Generation Klima - Stimmen der Zeit - 1.1.2020

 Aufruf des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising
Die Zeit drängt: Klimaschutz jetzt und für alle!

Der durch den Ausstoß von Treibhausgasen maßgeblich verursachte Klimawandel stellt eine „der wichtigsten aktuellen Herausforderungen an die Menschheit dar“ (LS 25).Darauf weist Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si’ –Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ (LS) mehrfach hin. Bei der Bekämpfung des Klimawandels handelt es sich um eine große Herausforderung,die zentrale Gerechtigkeitsaspekte berührt.1Es geht einerseits um die weltweite und intergenerationel-le Gerechtigkeit. Als Christenstehen wir an der Seite der Armen, Schwachen und Benachteiligten.Wir sind solidarisch mit denen, die gegenwärtig und in Zukunft am meisten vom Klimawandel be-troffen sind und sein werden. Gleichzeitig geht es um ökologische Gerechtigkeit. Als Christenglau-benwir, dass Gott die Welt geschaffen und den Menschen anvertraut hat. Daraus erwächst der Auftrag, die Schöpfung zu bewahren.Viele Jugend-und Erwachsenenverbände, viele Orden, Pfarreien und kirchliche Gruppen setzen sich bereits heute – und teilweise schon seit Jahrzehnten – dafür ein. Wir müssen aber noch besser werden. Wir sind daher den Jugendlichen und Kindern der „Fridays for Future“-Bewegung dankbar, dass sie unermüdlich auf die Dinglichkeit der Klimafrage aufmerksam machen. Alle Pfarrgemeinderäte, katholischen Verbände und Initiativen rufen wir dazu auf, sich mit den Forde-rungen auseinander zu setzen, die der Klima- und Umweltschutz an uns stellt. Gefordert ist nichts Geringeres als ein umfassender Kulturwandel (LS 114), eine grundlegende Änderung der heute vorherrschenden Art und Weise, wie produziert und konsumiert wird (LS 26). Wir bitten daher alle kirchlichen Organisationen, ihr Engagement für Klimagerechtigkeit sowohl im persönlichen als auch im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben deutlich zu verstärkenund zu „Churches for Future" zu werden. Die „Fridays for Future“-Bewegung fordert ein, wozu sich über 190 Staaten der Erde 2015 in dem Übereinkommen von Pariszum Klimaschutz (COP21) verpflichtet haben: die Erderwärmung auf 1,5 °C zu beschränken. Wir sollten als Christen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mittel dazu beitragen, dass dies gelingt. Papst Franziskus nennt die Schöpfung das „Lebensnetz“. Dieses Lebensnetz droht zu reißen. Die Zeit rinnt dahin, aber noch haben wir die Kraft unddie Chance, das Ruder herumzureißen. Diepolitisch Verantwortlichen sind gefordert, wirksame gesetzliche Regelungen, spürbare Verpflichtungen und ordnungspolitische Maßnahmen in die Wege zu leiten. Ehrgeizige Klimaziele sind ein Gebot der Ge-rechtigkeit und die Grundlage für die Bewahrung der Schöpfung. Den Einsatz für Klimagerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung auf später zu verschieben, geht nicht mehr. Papst Franziskus schreibt in Laudato si’: „Die Menschheit besitzt noch die Fähigkeit zusammenzuarbeiten, um unser gemeinsames Haus aufzubauen“(LS 13).An diese Fähigkeit glauben wir. (München, 20. November 2019)