Heiliges Grab - Michaelskapelle

 

Dank der Initiative von Frau Monika Gaiser konnte in unserer Michaelskapelle in den letzten Jahren das Heilige Grab wieder errichtet werden. Es findet von Gründonnerstag bis zum Karsamstag seinen Platz im Altarraum der Michaelskapelle, der das Gnadenbild der Mutter vom guten Rat birgt.
In ganzer Breite wird dieser Raum vom Felsengrab ausgefüllt. Zwei geschwungene, dem Stil der barocken Ausstattung angeglichene Tafelflügel, lasten auf dem Grab, die den Blick zum Tabernakel hin konzentrieren. Die beiden Anbetungsengel, die auf den Tabernakel hin geordnet sind, thronen über den dunklen, grün gehaltenen Wolken, durch die wie verhüllt das Gold der dahinter liegenden Strahlen schimmert.
Beschreibung der Tafelbilder:
Die Szenen, die auf den Tafelbildern festgehalten sind, sind wie die hebräischen Schriftzeichen von rechts nach links zu lesen und zu verstehen.

Auf der rechten Tafel ist der Beginn der Heilsgeschichte angedeutet, symbolisiert durch eine Inschrift am Fuße einer Mauer, die in hebräischer Schrift das erste Wort des Schöpfungsberichtes (berisit) wiedergibt. "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde... (Gen 1,1) Rechts hinter dieser Mauer ist die Silhouette der Stadt Salzburg zu entdecken, Symbol der heiligen Stadt Jerusalem, umrandet von der Kulisse des Gaisberges und des Nockberges, die diese Stadt umfangen.
Die farbliche Ausführung des Grabes geschah fast ausschließlich auf der Basis von Erdfarben, z.B. Ocker, Umbra, Siena, um die ganze Szene nicht zu bunt wirken zu lassen. Lediglich einige Grün- und Gelbflächen sind mit Hilfe synthetischer Farben entstanden, um den Eindruck des einfallenden Lichtes zu verstärken.
Das linke Tafelbild zeigt die Katakomben von Salzburg, den Ort des Todes und des Grauens dem auch heute die Menschen oft fliehen.
Drei Kreuze thronen auf dem Berg Golgota, getragen von einem Felsen, der geformt ist wie ein Schädel. Legendarisch ist überliefert, dass Jesu Kreuz gerade an dem Ort errichtet wurde, an dem die Wiege der Menschheit stand, und Adam begraben wurde. Der Neue Adam, Christus, der das Leben bringt, thront über dem alten Adam, der uns den Tod brachte.
Unter dem Felsen ist der Boden Moorfarben gehalten, in ihm ist die bodenlose Grausamkeit des Schicksals Jesu und vieler Menschen angedeutet. Das klassizistische Grabmal im Vordergrund, Symbol des zerbrochenen Lebens, zeigt den Propheten Jona, der aus dem Bauch des Walfisches ans Land geschleudert wird, eine Typologie auf den Auferstandenen, der über ihm thront, und nach drei Tagen aus der Finsternis des Todes zum neuen Leben auferstand. Zart angedeutet ist am Boden eine lateinische Inschrift zu lesen:
"Mortuus en vivo"
"Hier ruht ein Verstorbener, der dennoch lebt."

Das Heilige Grab ist für uns nicht nur Begräbnisstätte, ein Ort der Trauer und der sichtbaren Begrenztheit des Menschen, sondern eine sichtbare Vergegenwärtigung der todesüberwindenden Macht unseres Gottes.

Unser Dank gilt besonders dem Künstler Siegfried Schamberger, der trotz seiner schweren Krankheit dieses Werk für uns geschaffen hat.