Pfarrkirche St. Oswald, Leobendorf

Das nordwestlich des Abtsees, auf einem schmalen Höhenrücken gelegene Dorf weist sich als eine durch bajuwarische Reihengräber belegte Siedlung des 6./8. Jh. aus. Eine Adelsschenkung an einen Priester Dulcissimus, der das Gut "ad Liubilndorf" an die Salzburger Kirche weitergibt, überliefert die Notitia Arnonis 788/90. Die Dorfbezeichnung setzt bereits eine größere Besiedelung voraus. Nach 1300 zählen neben dem Salzburger Domkapitel die Herren von Kuchl zu den Grundherren, die nach 1355 eine Burg auf der Insel im Abtsee errichteten, die 1390 in landesherrlichen Besitz übergeht.

Baugeschichte
Eine Kirche zu Leobendorf wird erstmals 1347 erwähnt, ihre Anfänge dürften jedoch weiter zurückreichen. Die Weihe eines spätgotischen Neubaues erfolgte 1443 durch den Chiemseebischof Sylvester Phlieger. Die ursprünglich nach Osten ausgerichtete Kirche mit dem Turm im Westen erfuhr 1866 eine Vergrößerung, indem zwischen dem spätgotischen Chor und dem Turm ein nach Süden orientierter Neubau eingefügt wurde, der 1913 noch eine Erweiterung nach Norden erfuhr.

Leobendorf
Leobendorf innen Baubeschreibung und Ausstattung
Vom spätgotischen Bau stammt noch der aus Nagelfluhquadem errichtete Turm in seinen unteren Geschossen und der fünfseitige ehemalige Ostchor mit vermauertem Mittelfenster. Der in bescheidenen Formen gehaltene neugotische Bau besteht aus einem Chorraum mit polygonalem Schluss und fünf Langhausjochen, wovon das 1913 hinzugefügte nördliche Emporenjoch übergroße Fenster mit reichgestaltetem Maßwerk aufweist. Das Stichkappengewölbe ruht auf Halbsäulen.
Den Hochaltar schuf der Bildhauer Paul Horchler, Burghausen, die Fassung stammt von Sebastian Forstner, Laufen, 1866/67. Im Schrein sind die Plastiken des Kirchenpatrons St. Oswald zwischen hll. Barbara und Margarete, um 1500, im Gesprenge die Figuren der hll. Leonhard und Florian, darüber St. Sebastian, alle von P. Horchler. Der Altaraufbau wurde im 20. Jh. mehrfach verändert. Die Schreinflügel zeigen vier Darstellungen aus dem Leben Maria, im geschlossenen Zustand die Ölbergszene, von Georg Gschwendtner.

Im ersten westlichen Langhausjoch ist die neugotische Kanzel. Gegenüber befindet sich die zweijochige Seitenkapelle mit polygonalem Schluss, auf Diensten das Netzgewölbe mit zwei Schlusssteinen. Im nordöstlichen Fenster zwei Glasgemälde: ein von Maßwerk umrahmter Christuskopf und die Jungfrau Maria im Ährenkleid, beide um 1500. Im gegenüberliegenden Fenster Glasgemälde: Kopf Gottvater und hl. Antonius der Einsiedler, um 1866. Der neugotische, in Rot-Gold gehaltene Altar ist ein aus drei Nischen gebildeter Schrein, unter dessen Baldachinen die Plastiken Maria Immaculata zwischen den hll. Korbinian und Josef stehen, im Gesprenge das Jesuskind mit der Weltkugel zwischen zwei betenden Engeln (zweite Hälfte 19. Jh.). An der Südwand der Kapelle Christus am Kreuz, Mitte 18. Jh.
Im Langhaus die Skulpturen Maria Immaculata, Herz Jesu und hl. Josef. Bemerkenswert sind die 14 Kreuzwegstationen von Johann Georg Weibhauser aus Fridolfing, datiert 1831, wohl nach graphischen Vorlagen des späten 18. Jh.